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Ein Sonder-Kfz im wahrsten Sinne des Wortes


Ein Beitrag von Horst Dietzinger © beim Autor

Nach dem Umbau

Und es begab sich anno 1997....

dass mein Eheweib mir erklärte, sie werde nie wieder mit einem Wohnmobil in Urlaub fahren. Man muß hierzu erklären: Wir hatten damals einen Kleinbus Mitsubishi der Größe eines VW-Busses. Und wir waren zu viert! Ich möchte mir die Schilderung der Enge ersparen. Es war grausam!
Also brauchten wir ein größeres Wohnmobil. Da ich schon ausreichend Erfahrung mit Bauwagen hatte (ich hatte zwei Bauwagen als Kindergarten umgebaut, einen weiteren als "Musiker-Proberaum"), kam uns der Gedanke: Einen kleinen Laster mit Doppelkabine und oben drauf einen Bauwagen!

Laster Pritsche Den Laster (608 D) erstand ich für 4.500,-- DM. Alt, vergammelt, verrostet. Einen Sechs-Meter-Bauwagen bekam ich für 1.600,-- DM (sauteuer, zumal ich bereits vorher einige Bauwagen geschenkt bekommen hatte


Zunächst waren zwei Monate Planungsphase angesagt. Wie und wo die Dusche, die Küche, die Betten einplanen? Aus naheliegenden Gründen musste das Bett über die Fahrerkabine. Hier waren 2,6 m Länge zur Verfügung, eine Breite von 2,2 m. Also musste der Bauwagen "beschnitten" werden, die Bordwände des Lasters mussten abgeflext werden. Nachdem ich extrem genau gemessen hatte, konnte ich auch den Boden des Bauwagens so ausschneiden, dass er theoretisch exakt auf die Pritsche passte und sich an das Führerhaus anschmiegte. Theoretisch!


Tandem

Innenansicht Bauwagen

Der Bauwagen wurde ausgeschlachtet. Sämtliche Leisten und Verstrebungen (Hölzchen mit 3 x 3 cm!) ersetzte ich mit richtigen, kleinen Balken. Die Fensterrahmen wurden schlicht und ergreifend durchgesägt, die Verankerungen am Rahmen gelöst.

Aber wie kriegt man einen Sechs-Meter-Bauwagen mit rund zwei Tonnen Gewicht auf eine Lasterpritsche, die einen Meter hoch ist? Da bei uns chronischer Geldmangel angesagt ist, konnte ich schlecht die Firma Schmidbauer (Schwertransporte) oder dergl. beauftragen. Und da ich beruflich bedingt gute Kontakte zum THW hatte und habe, wurde eine "Übung" angesetzt. Drei Mann und ein Laster mit Kran besuchten mich auf der Wiese, auf der ich den Ausbau vornehmen wollte.

Die schlimmste Stunde meines Lebens! Ich hatte vier (in Worten: Vier!) Schrauben (Durchmesser 8 mm) an den Ecken in den Holzrahmen gedreht in der Hoffnung, die Profis vom THW würden eine vernünftige Verankerung basteln. Irrtum! Man bediente sich dieser lausigen vier Schrauben! Nachdem der Kran-Laster verankert war, wurden die Tragebänder an den Schrauben befestigt. Und als sich der Teil des Bauwagens, den ich brauchte, vom Rest abhob, blieb mir das Herz stehen! Ich wartete jeden Augenblick darauf, dass die Schrauben abbrachen oder der ganze Bauwagen wie ein Kartenhaus zerfällt. Aber es passierte nix! Ich zog den Rest des Bauwagens mit den Fahrgestell unter dem schwebenden Etwas weg und rangierte wieder unter die Last.



Und die drei Mann vom THW schafften es, das instabile Gebilde, in dem ich einmal schlafen wollte, bis auf exakt 4 mm genau auf die Pritsche zu setzen! Und was sind schon 4 mm, wo es doch sowieso keine geraden Seiten oder genaue Winkel gibt?


Doch dann begann das Schwierigste: Fahrerkabine und Pritsche sind getrennt am Rahmen aufgehängt, so dass in jeder Kurve, bei jedem Schlagloch beide Fahrzeugteile gegen einander arbeiten. Wie kriegt man einen 2,6 m langen und 2,2 m breiten Alkoven über einem sich ständig bewegenden, 1,8 m breiten Fahrerhaus stabil?

Allein das dauerte schlicht zwei Monate, bis ich die rettende Idee hatte: Stahlbügel wurden am Dach des Fahrerhauses massiv verschraubt, die äußeren Enden um 40cm nach oben gebogen und mit angeschweißten Winkeln versehen. Diese verschraubte ich mit dem äußeren Bleck des Alkovens. So war die "Rechts-Links-Bewegung" abgefangen, aber wie das "Auf-Ab" ausgleichen?

Nachdem ich mit vielen Eisenwinkeln und Holzbalken einen "Boden" in den Alkoven gebaut hatte, sorgte der Inhalt von 37 Dosen PU-Schaum darunter, dass der Alkoven nicht mehr nach unten wegsacken konnte, trotzdem aber einen gewissen Spielraum hatte. Und nach außen hin verkleidete ich die Verbindung mit sorgsam zugeschnittenen LKW-Schläuchen, die ich vernietete. Rund 200 Nieten am Alkoven, rund 200 Nieten an der Fahrerkabine. So hatte ich eine dehnbare, flexible Verbindung, wasserdicht und vorerst ausreichend. Ich musste die Schläuche aber dann nach zwei Jahren mit Lkw-Plane ersetzen, da die Schläuche offensichtlich Salzwasser und UV-Licht nicht vertrugen und porös wurden.

Tja, und er Innenausbau war dann vergleichsweise einfach! Eine Isolierung von ca. 8 cm Styropor und die Innenverkleidung aus "Nut- und Federbrettern 10mm sorgen für erstklassige Isolation im Sommer und im Winter. Das "Wohnzimmerfenster" stammt von einem Geländewagen, das "Küchenfenster" von einem VW-Bus. Der Boden der Dusche ist gefliest und mit einer Fußbodenheizung (12V) versehen. Ansonsten gibt's die üblichen Ausbauten: Heizung, Kühlschrank, Warmluftgebläse, Warmwasser für die Dusche, Herd, ....



Highlands

© Horst Dietzinger horst_dietzinger@hotmail.com